Mars
Dagegen nimmt
sich der Nahrungsmittel- und Süßwaren-Konzern Mars aus
Mac Lean, Virginia/USA als Fami-lienbetrieb mit seinen 30.000 Beschäftigten
und 15 Milliarden Euro Umsatz jährlich zunächst eher klein
und be-scheiden aus. Auf Grund seiner Maxime, mit Produkten aus den
billigsten Rohstoffen stets die höchsten Preise und Netto-Renditen
zu erzielen, konnte der Firmengründer mit seinen beiden Söhnen
und seiner Tochter ein Pri-vatvermögen von umgerechnet mehr
als 20 Milliarden Euro anhäufen und zu einer der reichsten
Familien der USA werden.
Forrest Mars
wurde zunächst der Erfinder des Schokoriegels (M& Ms, Milky
Way, Snickers u. a.) und alsdann »Category Leader« bzw.
Impulsgeber für Hunde- und Katzennahrung. Er betrieb in den
60er Jahren des letzten Jahrhunderts die Innovation des Marktes
für industrielles Fertigfutter und beeinflusste maßgeblich
die jüngste Entwicklung.
Seine Initialen
F. M. – phonetisch effem – bildeten den Firmennamen
für den heute weltweit größten und bedeu-tendsten
Hersteller von Heimtiernahrung. Die Firma Effem, die sich auch nach
ihrer Versuchsstation in England Waltham nennt, besitzt in den westlichen
Ländern eine dominierende Stellung.
F. M . war vor
dem 2. Weltkrieg einige Zeit beruflich in Großbritannien tätig
gewesen und errichtete aufgrund ei-ner Vorliebe für dieses Land
in den 70er Jahren auf einem von ihm erworbenen Gut in Leicestershire
etwa 150 Kilometer von London das »Waltham Centre for Pet
Care and Nutrition«. Daraus entwickelte sich die »Weltau-torität
für Heimtierhaltung- und Ernährung«.
Auf diesem Grundbesitz
entstand ein umfangreicher Gebäudekomplex, der die Forschungsabteilung
und Ver-suchsstation von Mars-Waltham-Effem-Masterfoods mit einigen Dutzend Wissenschaftlern
und Pflegern sowie mehreren Hundert Versuchstieren verschiedener
Species, jedoch vorwiegend Hunden und Katzen beherbergt.
Waltham-Effem-Masterfoods
verstand es geschickter und besser wie jedes andere Unternehmen
auf diesem Sektor, Wissenschaft und Kommerz zu vequicken und seine
spottbillig hergestellten Produkte als Dienstleis-tungen nach dem
angeblich neuesten Stand der Tiermedizin teuer zu verkaufen.
Im Gegensatz
zu den vom ihm gefütterten Hunden blieb Forrest Mars sein Leben
lang kerngesund und erreichte ein hohes Alter. Als er im Jahre 1999
mit 96 Jahren starb, setzte der Familienbetrieb Mars-Waltham-Effem-Mas-terfoods
weltweit umgerechnet über 7 Milliarden Euro allein an Hunde-
und Katzenfutter um. Waltham-Effem war in Deutschland über
Jahre Martkführer mit einem Marktanteil von mehr als 70 Prozent
bei einem Markt von rund 2 Milliarden Euro und liegt derzeit nach
dramatischen Veränderungen des Konsum- und Verbraucherverhaltens
der Hundebesitzer deutlich unter 50 Prozent.
Bereits im Jahr
1997 musste Waltham/Effem nach Erscheinen des Kompendiums »Der
Dreißigjährige Krieg 1966-1996« Umsatzeinbußen
von 5 Prozent hinnehmen. Zahlreiche Hunde wurden nämlich fortan
nicht mehr mit deren Billigprodukten ernährt, sondern mit den
im Einzelhandel angebotenen Premiumprodukten von Royal Canin und
kleinen alternativen Marken. Zu jenem Zeitpunkt kam in direktem
Zusammenhang der Publikationen von Torel/Kammerer auch die neue
Marke Marengo als naturbelassenes Futter heraus und gut ins Geschäft.
Gleichzeitig fanden Besitzer und Hunde Geschmack an Frischkost und
die BARF-Methode zahlreiche Anhän-ger.
Im Zuge der ersichtlichen Änderung des Konsum- und Verbraucherverhaltens
der Hundebesitzer und irritiert von dem Erwerb von Ralston Purina
durch Nestlé, firmierte Mars-Waltham-Effem in Masterfoods
um und erwarb im Juli 2001 den französischen Hersteller Royal
Canin mit einem Umsatz von rund 425 Millionen Euro zu einem Gesamtkaufpreis
von mehr als 1,5 Milliarden Euro. Mars-Waltham-Effem-Masterfoods
wollte damit ebenfalls in den Bereich des Premium-Futters und die
Regale des Einzel- und Fachhandels eindringen, die rückläufigen
Marktanteile zurückgewinnen und die Position als Category Leader
behaupten.
Nach
weiteren Umsatzeinbußen und einem Rückgang des Marktanteils
auf etwa 60 Prozent musste der langjährige Effem-Geschäftsführer
Rainer Camphausen nach einer Betriebszugehörigkeit von über
25 Jahren zum 31.12.2001 seinen Hut nehmen. Effem verlor nämlich
in 5 Jahren etwa 500.000 Hunde als Stammkunden, mehr als 500 Millonen
DM Umsatz und über 100 Millionen DM Bruttogewinn.
An seine Stelle trat Michael Müller, der vor der Fusion Unilever/Bestfoods
als Vertriebsmanager bei Bestfoods Knorr-Suppen und andere Fast
Food-Gerichte auf den Markt gebracht und vertrieben hatte und nach
der Über-nahme von Unilever nicht für ausreichend gut befunden
und gehalten wurde. Der nunmehrige Weltmarktführer im Human Food-Bereich hätte nämlich nach den Gepflogenheiten der
Industrie einen guten Manager nicht abge-schoben oder laufen lassen.

| Neuer
Masterfoods-Chef Michael Müller
zusammen mit Sprecherin Margrit Kolbe-Hopp. Foto: M. Vedder |
Michael Müller will nunmehr nach seinem eigenen Bekunden auf
der Frischkost-Welle mitschwimmen und nach weiteren Investitionen
in Verden im Herbst 2002 mit neuen Produkten für den Hund auf
den Markt kommen, wo-bei es sich um Fertiggerichte in Frischhaltebeuteln
handeln dürfte. Der Uncle Ben’s Reis von Mars kommt auch
schon von der Hundefutterfabrik in Verden in die Regale der Supermärkte.
Im
Jahre 1997 brachte Effem mit dem veterinärmedizinischen Fachbuch
»Das WALTHAM Buch der KLINISCHEN DIÄTETIK von Hund und
Katze« die wohl geschickteste wissenschaftliche Fälschung
he-raus, die je geschrieben wurde und die allenfalls noch durch die
inzwischen installierten Internetsei-ten von Waltham unter www.vetdiet.com
übertroffen wird.
Im Großformat
von 21x30 cm erwecken 33 namhafte Wissenschaftler aus den USA, Kanada,
Großbritannien und der Bundesrepublik auf über 500 Seiten
in unübertrefflicher Didaktik die Illusion, dass es sich bei
Waltham in der Tat um die »Weltautorität für Heimtierhaltung
und Ernährung« und bei den Produkten von Effem um das
Nonplusultra der Ernährung des Hundes handelt. Die vorgegaukelte
hohe Wissenschaft und die Produktrealität klaffen zwar weit
auseinander, werden aber auf raffinierte Weise miteinander verwoben,
sodass beim Leser ein äußerst positives Image des Unternehmens
mitsamt seinen Produkten entsteht.
Über die
phytoöstrogenhaltigen Fleischimitate aus Soja, die Verwendung
von Fleisch- und Tiermehlen sowie die zahlreichen Schwierigkeiten
mit den Effem-Produkten in der zurückliegenden Zeit verloren
diese Autoren zwangs- läufig kein einziges Wort.
Mars-Waltham-Effem-Masterfoods
etablierte sich auch mehrfach im Internet (vgl. auch www.waltham.com)
und erwarb von AOL für einen ungenannten Preis deren Heimtierseiten
unter www.mypetstop.com.
Unter der Domain
www.vetdiet.com bietet Masterfoods
den Tierärzten in Europa seine Diätprodukte in ebenfalls
unübertrefflicher Didaktik und exquisiter, werbepsychologischer
Graphik an.
Mit 14 Lapidarprodukten
aus billiger Herstellung will Waltham nahezu alle Erkrankungen des
Hundes mehr oder weniger diätetisch behandeln, wobei der überwiegende
Teil dieser Erkrankungen überhaupt erst durch die Stan-dardprodukte Schappi, Pedigree Pal, Advance, Loyal und Frolic verursacht worden
sein dürfte. Mars-Waltham-Effem-Masterfoods schaffte sich mithin
innovativ selbst den Markt für die neuen Produkte und liefert
der umwor-benen und beeinflussten Tierärzteschaft auch gleich
die Patienten mit.
Wenn
die Ernährungswissenschaftler in den Diensten von Mars Waltham-Effem-Masterfoods:
Die Pro-fessoren und Professorinnen Christine Iben, Ellen Kienzle,
Helmut Meyer und Jürgen Zentek auf Kos-ten des Unternehmens
um die Welt fliegen und der gewöhnliche Tierarzt mittels einer
Gold Card in einem Leihsportwagen über das Wochenende nach
Wien, Mailand oder Paris reisen darf, fällt es den »Nieten
im weißen Kittel« nicht schwer, Diätprodukte mit
einem Tagessatz bis zu 16,89 Euro und hö-her an den Mann, die
Frau und den Hund zu bringen.
In der Welt
wurde das Wasser in den Dosen bislang nicht teurer erworben und
auch für Beta-Carotin, Vitamin C und E sowie Lutein und Taurin
dürfte dies ein absoluter Spitzenpreis sein. Es entbehrt nicht
einer Ironie des Ge-schicks, dass hier zu einem Zeitpunkt für
den Zusatz von synthetischem Beta-Carotin geworben wird, als die
Verbraucherministerin Renate Künast diese Substanz wegen ihres
Krebsrisikos in Lebensmitteln reduzieren will.
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