Industrielles Alleinfutter ist bequem, hygienisch sicher und rechnerisch bedarfsdeckend. Es ist zugleich ein Produkt, dessen Zusammensetzung sich aus dem Etikett nur eingeschränkt erschließt. Diese Seite erklärt, wie ein Futter entsteht, was die Deklaration wirklich aussagt und woran man Qualität festmachen kann.
Wie Trockenfutter hergestellt wird
Der überwiegende Teil des Trockenfutters entsteht durch Extrusion: Die gemahlenen Rohstoffe werden unter Druck und hoher Temperatur – typischerweise 120 bis 150 Grad Celsius, kurzzeitig deutlich darüber – durch eine Matrize gepresst und anschließend heißluftgetrocknet. Das Verfahren hat handfeste Vorteile: Es schließt Stärke auf, macht sie verdaulich, und es tötet Keime zuverlässig ab.
Es hat auch Konsequenzen. Hitzelabile Vitamine werden dabei weitgehend zerstört, Proteine denaturiert. Deshalb wird nach dem Extrudieren eine standardisierte Vitamin-Mineralstoff-Vormischung zugesetzt und das Kroketten-Äußere häufig mit Fett und Aromen besprüht (»Coating«). Genau an dieser Stelle setzt die Kritik an, die unter Der Jahrtausendirrtum der Veterinärmedizin ausführlich dargestellt ist: Die Nachdosierung ist eine Rezepturentscheidung, und sie fällt eher großzügig als knapp aus.
Die Deklaration lesen
Zusammensetzung
Die Zutaten stehen in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils – und zwar bei Einwaage, nicht im fertigen Produkt. Frischfleisch besteht zu etwa 70 Prozent aus Wasser; nach dem Trocknen bleibt weniger als ein Drittel übrig. »Frischfleisch« an erster Stelle bedeutet daher nicht, dass Fleisch den größten Anteil im fertigen Futter stellt.
Offene und geschlossene Deklaration
| Angabe | Was sie bedeutet |
|---|---|
| »Huhn (32 %)« | Offene Deklaration: Art und Anteil sind benannt. Der Idealfall. |
| »Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse« | Geschlossene Sammelbezeichnung. Tierarten und Anteile bleiben offen; die Rezeptur kann chargenweise wechseln. |
| »Getreide« | Sammelbegriff ohne Angabe der Getreideart. |
| »pflanzliche Nebenerzeugnisse« | Sehr weit gefasst – von Rübenschnitzel bis Schalenanteilen. |
Nebenerzeugnisse sind nicht per se minderwertig: Innereien wie Leber, Herz oder Niere sind nährstoffreich. Das Problem ist die fehlende Nachvollziehbarkeit, nicht die Kategorie an sich.
Analytische Bestandteile
Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche sind chemische Summenwerte. Sie sagen nichts über die Verdaulichkeit und nichts über das Aminosäurenmuster. Zwei Futter mit identischen 26 Prozent Rohprotein können biologisch völlig unterschiedlich wertvoll sein. Aussagekräftiger als jeder einzelne Wert ist: Wie viel Futter braucht der Hund laut Fütterungsempfehlung, wie sieht der Kot aus, und wie entwickelt sich sein Gewicht?
»Alleinfuttermittel« und »Ergänzungsfuttermittel«
Nur ein Alleinfuttermittel deckt den Bedarf vollständig. Ein Ergänzungsfuttermittel – darunter viele Nassfutter-Sorten, Snacks und Kauartikel – tut das ausdrücklich nicht. Diese Angabe steht kleingedruckt auf der Rückseite und wird regelmäßig überlesen.
Der Markt in Kürze
Der Markt für Heimtiernahrung ist stark konzentriert: Wenige international tätige Konzerne halten gemeinsam den überwiegenden Teil des europäischen Marktes, und hinter zahlreichen kleineren Marken stehen dieselben Hersteller oder Lohnproduzenten. Für die Kaufentscheidung folgt daraus vor allem eines: Der Markenname allein sagt wenig über Rezeptur und Produktionsstätte aus. Aussagekräftig sind offene Deklaration, gleichbleibende Zusammensetzung über die Chargen hinweg und eine Fütterungsempfehlung, die zum Energiegehalt passt.
Eine Checkliste für den Regalvergleich
- Steht »Alleinfuttermittel« auf der Packung?
- Sind Tierart und Anteil der Proteinquelle offen benannt?
- Passt das Produkt zur Lebensphase – und bei Welpen zur zu erwartenden Endgröße?
- Ist das Calcium-Phosphor-Verhältnis angegeben? Bei Welpenfutter ist das ein Qualitätssignal.
- Bleibt die Zusammensetzung über verschiedene Chargen konstant?
- Wie viel Gramm sind laut Empfehlung nötig? Ein sehr hoher Wert deutet auf geringe Energiedichte oder schlechte Verdaulichkeit hin.
Und die Praxis? Das beste Futter ist das, bei dem Gewicht, Kotqualität, Fell und Aktivität über Monate stimmen. Alles Weitere ist Theorie. Die Nährstoffgrundlagen stehen unter Ernährung und Fehlernährung des Hundes, die Besonderheiten der Katze unter Katzenernährung.