Ein großer Teil dessen, was in der Tierarztpraxis behandelt wird, wäre durch konsequente Vorsorge vermeidbar oder zumindest früher erkennbar gewesen. Diese Seite fasst zusammen, was zum Standardprogramm gehört – und woran man erkennt, dass ein Termin nicht bis morgen warten sollte.
Impfungen
Unterschieden wird zwischen Core-Impfungen, die für jedes Tier empfohlen werden, und Non-Core-Impfungen, die sich nach Lebensumständen und Region richten.
| Tierart | Core | Nach Situation |
|---|---|---|
| Hund | Staupe, Hepatitis (HCC), Parvovirose, Leptospirose; Tollwut für Auslandsreisen | Zwingerhusten, Borreliose, Leishmaniose |
| Katze | Katzenschnupfen, Katzenseuche | Leukose (besonders bei Freigang), Tollwut bei Reisen |
| Kaninchen | Myxomatose, RHD (inklusive RHD-2) | – |
Die Grundimmunisierung erfolgt im Welpen- beziehungsweise Jungtieralter in mehreren Schritten. Danach werden die Abstände individuell festgelegt – nicht jede Impfung muss jährlich aufgefrischt werden. Der jährliche Termin bleibt trotzdem sinnvoll: Er ist zugleich die Gesundheitsuntersuchung. Bewahren Sie den Impfpass auf; ohne gültigen Tollwutschutz ist keine Reise möglich.
Parasiten
Zecken
Zecken übertragen Borreliose, Anaplasmose, Babesiose und FSME. Kontrollieren Sie nach jedem Spaziergang Kopf, Ohren, Hals, Achseln und Leisten. Entfernt wird zügig und gerade herausgezogen – mit Zeckenzange, -haken oder -karte, ohne Drehen und ohne Öl, Klebstoff oder Nagellack: Diese »Hausmittel« reizen die Zecke und erhöhen das Übertragungsrisiko. Die Einstichstelle anschließend zwei Wochen beobachten.
Flöhe
Ein Floh auf dem Tier bedeutet viele Entwicklungsstadien in der Wohnung. Behandelt wird deshalb immer beides: alle im Haushalt lebenden Tiere gleichzeitig plus die Umgebung. Textilien bei mindestens 60 Grad waschen, täglich gründlich saugen und den Beutel sofort entsorgen. Und: Flöhe übertragen Bandwürmer – nach einem Befall gehört eine Entwurmung dazu.
Würmer
Statt pauschaler Entwurmung nach Schema empfiehlt sich die Kotuntersuchung: eine Sammelprobe von drei aufeinanderfolgenden Tagen, weil Wurmeier nicht kontinuierlich ausgeschieden werden. Behandelt wird gezielt bei Befund. Ausnahme: Welpen und Jungtiere werden regelmäßig prophylaktisch entwurmt. Eine Entwurmung wirkt nicht vorbeugend – sie beseitigt nur den aktuellen Befall.
Hitze und Sommer
- Spaziergänge in die frühen Morgen- und späten Abendstunden verlegen
- Asphalttemperatur mit dem Handrücken prüfen: fünf Sekunden aushaltbar oder gar nicht laufen
- Schatten und mehrere Wasserstellen bereitstellen; Gehege von Kleintieren nie in der Sonne
- Niemals im Auto zurücklassen – auch nicht kurz und nicht im Schatten
- Kurznasige Rassen, Senioren und übergewichtige Tiere sind besonders gefährdet
Hitzschlag erkennt man an starkem Hecheln, tiefroter Schleimhaut, Taumeln, Erbrechen und Apathie. Sofort in den Schatten bringen, mit lauwarmem – nicht eiskaltem – Wasser an Pfoten und Beinen beginnend kühlen und umgehend in die Praxis fahren.
Erste Hilfe: die Grundausstattung
In die Hausapotheke gehören: sterile Kompressen, selbsthaftende Bandage, Mullbinden, Verbandschere, Pinzette, Zeckenzange, Einweghandschuhe, digitales Fieberthermometer, Kochsalzlösung zum Spülen, Rettungsdecke, Maulschlinge oder Binde – und die Telefonnummer der Praxis sowie der nächsten Notdienstklinik gut sichtbar.
Grundregeln: Ruhe bewahren, sich selbst schützen (auch das freundlichste Tier beißt im Schmerz), starke Blutungen mit einem Druckverband versorgen, das Tier warm und ruhig halten – und in der Praxis anrufen, bevor Sie losfahren, damit dort alles vorbereitet ist. Geben Sie niemals Schmerzmittel aus der Humanmedizin: Ibuprofen und Paracetamol sind für Hunde und Katzen hochgiftig.
Wann es nicht warten darf
- Atemnot, blasse oder blaue Schleimhäute
- aufgeblähter, harter Bauch mit erfolglosem Würgen – Verdacht auf Magendrehung
- ein Kater, der wiederholt auf die Toilette geht, ohne Urin abzusetzen
- Krampfanfall, der länger als zwei Minuten dauert oder sich wiederholt
- Kleintiere, die über zwölf Stunden nicht fressen und keinen Kot absetzen
- Verdacht auf Vergiftung, Trauma oder Hitzschlag
- anhaltendes Erbrechen oder blutiger Durchfall
Bei allem, was das Skelett betrifft – Lahmheiten, steifer Gang, Aufstehprobleme – lohnt zusätzlich der Blick auf Hüftgelenksdysplasie und Skeletterkrankungen.