Kaninchen, Meerschweinchen und andere Nager gelten als anspruchslos – sie sind es nicht. Ihre Verdauung und ihr Gebiss sind auf eine sehr spezielle Kost ausgelegt, und die meisten Erkrankungen in der Kleintierpraxis lassen sich auf Haltungs- und Fütterungsfehler zurückführen.
Fütterung: Heu ist die Hauptmahlzeit
Kaninchen und Meerschweinchen sind Dauerfresser mit einem Verdauungstrakt, der ständig beschickt werden muss, weil er kaum eigene Muskelbewegung hat. Nachrückendes Futter schiebt den Inhalt weiter. Bleibt es aus, steht die Verdauung still – ein lebensbedrohlicher Zustand.
- Heu rund um die Uhr, in unbegrenzter Menge. Es muss grün, duftend und staubfrei sein. Heu ist keine Beilage, sondern die Grundlage der Ration.
- Frischfutter täglich: Blattgemüse, Kräuter, Gräser, Wiesenkräuter. Neue Sorten langsam einführen.
- Trockenfutter sparsam oder gar nicht. Getreide- und melassehaltige Mischungen machen dick und werden dem Heu vorgezogen – genau der falsche Effekt.
- Vitamin C beim Meerschweinchen: Meerschweinchen können es wie der Mensch nicht selbst bilden. Paprika, Petersilie und Fenchel decken den Bedarf; im Zweifel supplementieren.
- Wasser immer frisch, in einer offenen Schale – daraus trinken die Tiere leichter als aus Nippeltränken.
Zähne: das Kernproblem
Die Zähne von Kaninchen und Meerschweinchen wachsen lebenslang nach. Abgerieben werden sie nur durch langes Kauen von rohfaserreichem Futter – also Heu und Gräsern. Wer überwiegend weiches Trockenfutter gibt, bekommt zwangsläufig Zahnprobleme: zunächst an den Backenzähnen, wo Spitzen und Brücken entstehen, die in Zunge und Wange schneiden.
Anzeichen: Fressunlust oder wählerisches Fressen, Speicheln und nasses Kinn, Gewichtsverlust, Mahlen mit dem Kiefer, tränende Augen, Beulen am Unterkiefer. Zahnbehandlungen bei Nagern gehören in spezialisierte tierärztliche Hände – und der Termin duldet keinen Aufschub.
Notfall erkennen: Ein Kaninchen oder Meerschweinchen, das mehr als zwölf Stunden nicht frisst und keinen Kot absetzt, ist ein tierärztlicher Notfall. Nicht abwarten.
Einstreu und Gehegehygiene
| Einstreu | Eignung |
|---|---|
| Entstaubte Weichholzspäne | Bewährter Standard, gut saugfähig |
| Strohpellets, Hanf- oder Leinstreu | Sehr saugstark und staubarm, gut für Atemwegsempfindliche |
| Stroh | Als Polsterschicht und Beschäftigung gut, allein zu wenig saugfähig |
| Zeitungspapier als Unterlage | Nur zusätzlich, nicht als alleinige Einstreu |
| Katzenstreu, Zedern- und Kiefernspäne | Ungeeignet: Klumpstreu bei Verschlucken gefährlich, ätherische Öle reizen die Atemwege |
Praktisch bewährt hat sich: Feuchte Stellen und Kotecken täglich entfernen, einmal pro Woche die Nassbereiche komplett wechseln, alle zwei bis vier Wochen das gesamte Gehege reinigen. Ein vollständiger Austausch mit Desinfektion bei jeder Reinigung ist kontraproduktiv – der vertraute Geruch gibt den Tieren Sicherheit. Ammoniakgeruch bedeutet immer: zu spät gereinigt. Er schädigt die Atemwege direkt.
Krallen und Fellkontrolle
Krallen wachsen in Gehegehaltung schneller nach als sie sich abnutzen. Alle vier bis acht Wochen kontrollieren und nur die Spitze kürzen; bei hellen Krallen ist das Leben gut sichtbar, bei dunklen hilft eine Taschenlampe von hinten. Langhaarige Meerschweinchen brauchen tägliches Kämmen, besonders am Hinterteil.
Baden ist bei Kleintieren tabu. Es kostet die Tiere Körperwärme, macht enormen Stress und entfernt die Schutzschicht der Haut. Verschmutzte Stellen werden punktuell mit einem feuchten Tuch gereinigt. Ist das Hinterteil dauerhaft verschmutzt, ist das ein Krankheitssymptom – und der Grund für einen Tierarztbesuch, nicht für ein Bad.
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