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Kaninchen, Meerschweinchen & Nager

Anspruchslos sind Kleintiere nicht. Ihre Verdauung und ihr Gebiss verlangen eine sehr spezielle Kost – und verzeihen Fütterungsfehler kaum.

KleintiereRedaktionell geprüfter Ratgeber

Kaninchen, Meerschweinchen und andere Nager gelten als anspruchslos – sie sind es nicht. Ihre Verdauung und ihr Gebiss sind auf eine sehr spezielle Kost ausgelegt, und die meisten Erkrankungen in der Kleintierpraxis lassen sich auf Haltungs- und Fütterungsfehler zurückführen.

Fütterung: Heu ist die Hauptmahlzeit

Kaninchen und Meerschweinchen sind Dauerfresser mit einem Verdauungstrakt, der ständig beschickt werden muss, weil er kaum eigene Muskelbewegung hat. Nachrückendes Futter schiebt den Inhalt weiter. Bleibt es aus, steht die Verdauung still – ein lebensbedrohlicher Zustand.

Zähne: das Kernproblem

Die Zähne von Kaninchen und Meerschweinchen wachsen lebenslang nach. Abgerieben werden sie nur durch langes Kauen von rohfaserreichem Futter – also Heu und Gräsern. Wer überwiegend weiches Trockenfutter gibt, bekommt zwangsläufig Zahnprobleme: zunächst an den Backenzähnen, wo Spitzen und Brücken entstehen, die in Zunge und Wange schneiden.

Anzeichen: Fressunlust oder wählerisches Fressen, Speicheln und nasses Kinn, Gewichtsverlust, Mahlen mit dem Kiefer, tränende Augen, Beulen am Unterkiefer. Zahnbehandlungen bei Nagern gehören in spezialisierte tierärztliche Hände – und der Termin duldet keinen Aufschub.

Notfall erkennen: Ein Kaninchen oder Meerschweinchen, das mehr als zwölf Stunden nicht frisst und keinen Kot absetzt, ist ein tierärztlicher Notfall. Nicht abwarten.

Einstreu und Gehegehygiene

EinstreuEignung
Entstaubte WeichholzspäneBewährter Standard, gut saugfähig
Strohpellets, Hanf- oder LeinstreuSehr saugstark und staubarm, gut für Atemwegsempfindliche
StrohAls Polsterschicht und Beschäftigung gut, allein zu wenig saugfähig
Zeitungspapier als UnterlageNur zusätzlich, nicht als alleinige Einstreu
Katzenstreu, Zedern- und KiefernspäneUngeeignet: Klumpstreu bei Verschlucken gefährlich, ätherische Öle reizen die Atemwege

Praktisch bewährt hat sich: Feuchte Stellen und Kotecken täglich entfernen, einmal pro Woche die Nassbereiche komplett wechseln, alle zwei bis vier Wochen das gesamte Gehege reinigen. Ein vollständiger Austausch mit Desinfektion bei jeder Reinigung ist kontraproduktiv – der vertraute Geruch gibt den Tieren Sicherheit. Ammoniakgeruch bedeutet immer: zu spät gereinigt. Er schädigt die Atemwege direkt.

Krallen und Fellkontrolle

Krallen wachsen in Gehegehaltung schneller nach als sie sich abnutzen. Alle vier bis acht Wochen kontrollieren und nur die Spitze kürzen; bei hellen Krallen ist das Leben gut sichtbar, bei dunklen hilft eine Taschenlampe von hinten. Langhaarige Meerschweinchen brauchen tägliches Kämmen, besonders am Hinterteil.

Baden ist bei Kleintieren tabu. Es kostet die Tiere Körperwärme, macht enormen Stress und entfernt die Schutzschicht der Haut. Verschmutzte Stellen werden punktuell mit einem feuchten Tuch gereinigt. Ist das Hinterteil dauerhaft verschmutzt, ist das ein Krankheitssymptom – und der Grund für einen Tierarztbesuch, nicht für ein Bad.

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