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Skelett- und Gelenkerkrankungen beim Hund

Die Hüfte ist nur der bekannteste Befund. Ellenbogendysplasie, Osteochondrose, Panostitis und Co. treffen dieselbe Zielgruppe – und dieselben Risikofaktoren.

GelenkeRedaktionell geprüfter Ratgeber

Die Hüftgelenksdysplasie ist der bekannteste, aber nicht der einzige Befund am wachsenden Hundeskelett. Ein erheblicher Teil der Hunde mit HD zeigt gleichzeitig Veränderungen an anderen Gelenken – sie fallen nur seltener auf, weil dort nicht routinemäßig geröntgt wird. Dieser Überblick ordnet die wichtigsten Krankheitsbilder ein.

Ellenbogendysplasie (ED)

Sammelbegriff für mehrere Fehlentwicklungen am Ellenbogen: den fragmentierten Processus coronoideus, den isolierten Processus anconaeus, die Osteochondrose der Gelenkrolle und die Stufenbildung durch ungleiches Längenwachstum von Elle und Speiche. Betroffen sind vor allem großwüchsige Rassen im Alter von vier bis zehn Monaten. Leitsymptom ist eine Vorderhandlahmheit, die nach Ruhe deutlicher wird und sich »einläuft«. Die ED gilt als besonders schmerzhaft und führt früh zu Arthrose.

Osteochondrose und OCD

Bei der Osteochondrose verknöchert Gelenkknorpel nicht ordnungsgemäß; es entsteht eine verdickte, schlecht ernährte Knorpelschicht. Löst sich ein Stück ab, spricht man von Osteochondrosis dissecans (OCD) – der Knorpelchip liegt dann frei im Gelenk und reizt die Gelenkinnenhaut. Typische Lokalisationen sind Schultergelenk, Ellenbogen, Knie und Sprunggelenk. Als Risikofaktoren gelten schnelles Wachstum, Energie- und Calciumüberschuss sowie starke mechanische Belastung im Wachstum.

Panostitis (enostosis)

Eine schmerzhafte Entzündung im Markraum der langen Röhrenknochen, meist zwischen dem fünften und zwölften Lebensmonat, häufig bei Deutschen Schäferhunden. Charakteristisch ist eine wandernde Lahmheit: Der Hund lahmt heute vorne links, in zwei Wochen hinten rechts. Die Panostitis heilt in der Regel folgenlos aus, braucht aber Schmerzbehandlung und Geduld.

Hypertrophe Osteodystrophie (HOD)

Betrifft die Wachstumsfugen der distalen Röhrenknochen bei jungen, schnell wachsenden Hunden. Die Gelenkregionen sind heiß, geschwollen und äußerst schmerzhaft, oft begleitet von Fieber und Fressunlust. Eine Überversorgung mit Energie und Mineralstoffen wird als begünstigender Faktor diskutiert.

Rachitis und Osteodystrophia fibrosa

Beide Bilder entstehen aus einem gestörten Calcium-Phosphor-Haushalt – die Rachitis klassisch aus Vitamin-D- und Calciummangel, die Osteodystrophia fibrosa aus einem sekundären Hyperparathyreoidismus, etwa bei einseitiger Fleischfütterung ohne Calciumausgleich. Fleisch pur ist extrem calciumarm und phosphorreich; eine reine Muskelfleischration ohne Ausgleich ist eine der wenigen Fütterungsformen, die beim Welpen binnen Wochen zu Knochenschäden führt.

Hypervitaminose A und D3

Fettlösliche Vitamine werden gespeichert, nicht ausgeschieden. Eine dauerhafte Überdosierung – in der Praxis fast immer durch Supplemente zusätzlich zu einem bereits vollwertigen Alleinfutter oder durch große Mengen Leber – führt zu Knochenzubildungen, Versteifungen und Störungen der Wachstumsfugen. Dieser Mechanismus ist einer der Kernpunkte in der Argumentation des Jahrtausendirrtums.

Was die Bilder verbindet

Fast alle genannten Erkrankungen treffen dieselbe Zielgruppe: großwüchsige Hunde im ersten Lebensjahr. Und fast alle teilen dieselben beeinflussbaren Risikofaktoren – zu viel Energie, zu viel Mineralstoff, zu viel Gewicht, zu viel Belastung, zu schnell. Das ist die praktische Konsequenz aus jahrzehntelanger Forschung, unabhängig davon, wie hoch man den genetischen Anteil ansetzt.

Wann zum Tierarzt

Jede Lahmheit beim Junghund, die länger als zwei bis drei Tage besteht, gehört abgeklärt – auch und gerade, wenn sie wandert oder zwischendurch verschwindet. Je früher eine Osteochondrose erkannt wird, desto größer ist die Chance, den Gelenkknorpel zu erhalten. Weitere Anhaltspunkte, wann ein Termin nicht warten sollte, stehen unter Vorsorge und Tiergesundheit.